
Sebastian Prignitz
Der Pergamonaltar und die pergamenische Gelehrtenschule
Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin 7
"Der große Gigantomachiefries des Pergamonaltars hat seit seiner Auffindung vor rund 125 Jahren die archäologische und historische Forschung beschäftigt, handelt es sich doch um eines der wichtigsten Monumente der hochhellenistischen Kunst. Wegen der starken Fragmentierung und der vielen Fehlstellen standen lange Zeit die Restaurierung und die Ergänzung mit den dazugehörigen technischen Fragen im Vordergrund. [...]
Weitgehend offengeblieben ist die Frage nach der Gesamtkonzeption des Frieses und nach den Aussagen, aufgrund derer man den Mythos der Gigantomachie für den Entwurf des Altars heranzog. Ungeklärt blieb auch, trotz mancher Andeutung, der gelehrte Hintergrund des Frieses und damit ein möglicher Einfluss der pergamenischen Akademie auf den Entwurf und die ausführenden Künstler.
Dem Gesamtentwurf der Gigantomachie wendet sich nur eine einzige Arbeit zu, die ein einheitliches Konzept für den Fries wahrscheinlich zu machen versucht. Erika Simon (1975) begreift den Fries als bildliche Umsetzung der "Theogonie" Hesiods, deren Genealogie den Göttern des Frieses zugrunde liege. Zwischen Hesiod und der Erbauung des Pergamonaltars liegen allerdings fünfhundert Jahre - eine getreue Umsetzung der uralten Vorstellungen erscheint bereits von vornherein kaum wahrscheinlich, da viele geistesgeschichtliche Umbrüche seit früharchaischer Zeit zu einem veränderten Bild der Götterwelt geführt haben.
Es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob überhaupt mit einem umfassenden Gesamtkonzept des Frieses zu rechnen ist. In einer Überlegung zur Planung des Pergamonaltars schrieb Klaus Stähler 1966 über den Gigantoinachiefries: "Also wird bei Beginn der Arbeiten nur eine thematische Einteilung zusammen mit dem stilistischen Muster der Zeusgruppe bestanden haben; der Nordfries zeigt, daß die Komposition der Figuren und Kampfgruppen erst unmittelbar bei Ausführungsbeginn festgelegt wurde." [...]
Diese Arbeit versucht demgegenüber darzulegen, wie wenig ein solches Verständnis des großen Frieses und damit des gesamten Altars überzeugen kann: Nicht nur der Aufbau der Kampfgruppen, sondern auch deren Verteilung und Verbindung miteinander dürfte vor Baubeginn festgelegt worden sein. Zu diskutieren ist, wie dieses umfassende Konzept ausgesehen hat, wer es entworfen hat und welche Intentionen sich damit verbinden."
Auszug aus dem Vorwort von Sebastian Prignitz
Format: 21 x 28 cm
Seiten: 86
Abbildungen: 48
Ausstattung: Fadenheftung, broschiert
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-922912-68-2
ISSN: 0949-6106
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