Logo des Verlags Willmuth Arenhövel, Berlin
Datum:  

Zum Tod des Berliner Künstlers Joachim Dunkel (1)

Ein Katalog mit Texten von E. Roters, J. Kruse, Helmut Börsch-Supan und Martin Sperlich

"Der Bildhauer Joachim Dunkel, 1925 in Berlin geboren und am 10. Juni 2002 hier verstorben, gilt als ein großer Zeichner, wie es hierzulande kaum noch einen gibt. Seine Skulpturen sind dreidimensionale Zeichnungen, von innen nach außen gewachsen. Ihre Oberfläche ist von Linien durchfurcht. Mitunter besitzt ein plastisch modellierter Körper einen flachgeschnittenen, gezeichneten Kopf und bisweilen ist die Bronze zeichnend mit dem Pinsel übergangen. Dunkel trug eine Figurenwelt in sich, bei der die Zahl der Akteure begrenzt war. Arbeitete er mit Feder, Farbstift, Kugelschreiber oder Pinsel, sprangen sie aber gleichsam direkt aus ihm heraus auf das Papier. Manche dieser Figuren entstammen der Literatur, etwa dem Epos Reineke Fuchs oder der Ilias und der gesamten griechischen Sagenwelt. Die Vorlagen wurden jedoch von ihm ganz eigenwillig paraphrasiert, nie illustriert. Tiere gehörten bevorzugt zu Dunkels Personal, vor allem Pferde, kraftvoll sich aufbäumend, ferne Nachfahren der Skizzen Leonardos. Mischwesen wie der Minotaurus schlagen die Brücke zwischen dem Reich der Tiere und dem der menschlichen Figuren, die stets von innen bewegt wirken, selbst wenn ihre äußere Haltung in Ruheposition verharrt. In seinen Bildnisköpfen sprechen Geist und Personalität des Dargestellten besonders aus den gekerbten Vertiefungen. Als Porträtist kommt ihm unter den neueren Bildhauern kaum jemand gleich, doch machte Joachim Dunkel keine Karriere im Dienst der Eitelkeit. Stets musste er sich zunächst eine Beziehung zu dem jeweiligen Menschen aufbauen, dem er seine Lebendigkeit lieh.

Er war ein denkender Künstler, nie aber ein theoretisierender. Geistvoll, manchmal sarkastisch, weil er ein scharfes Auge für die Defizite seiner Umgebung besaß, konnte er spotten und mit Lachen den ärger herunterspülen, der dennoch an ihm nagte. Joachim Dunkel hatte wohl etwas von einem Vogel, der kein wärmendes Gefieder mehr besitzt. Mir schien er immer wie jemand, der friert. Berlin hat ihn nicht mit Zuspruch erwärmt. Die Beweise der Wertschätzung kamen eher von außerhalb. Preise und Auszeichnungen hat der Schüler von Eva Schimmer und Bernhard Heiliger vor allem bis 1960 erhalten. Da er ausschließlich auf die Vervollkommnung seiner Kunst, nicht aber auf Aufstieg durch Anpassung bedacht war, konnte er keine spektakulären Medienerfolge für sich verbuchen. Obwohl aufgrund zahlreicher Einzelausstellungen stets präsent, blieb sein Oeuvre den Connaisseuren vorbehalten. Erst 1974, fast fünfzigjährig, erhielt er den Ruf an die Hochschule der Künste Berlin, wo er bis zu seiner Pensionierung wirkte. Doch gibt es keinen Schüler, der ihn ersetzen könnte. Die große, von Johann Gottfried Schadow begründete Tradition der Berliner Bildhauer scheint zu versiegen."

Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan

Format: 21 x 28,5 cm
Seiten: 64
Abbildungen: 61
Ausstattung: Fadenheftung, englische Broschur
Preis: 17,00 €

ISBN: 978-3-922912-31-6

 



Titelbild Joachim Dunkel 1

Skulptur von Joachim Dunkel

Weitere Informationen zum Werk Joachim Dunkels erhalten Sie unter

Link zu www.joachimdunkel.de